Urknall in der Vivantes Service GmbH

Seit mehr als zwei Jahren laufen nun schon Tarifverhandlungen bei der 100%igen Servicetochter VSG des landeseigenen Gesundheitsunternehmens Vivantes. Die Gewerkschaftsmitglieder der VSG halten, trotz der langen Tarifauseinandersetzung und den ständigen Spaltungs- und Demotivierungsversuchen durch den Senat und die Geschäftsführungen von Vivantes und VSG, an den von ihnen und ihrer Gewerkschaft aufgestellten Forderungen nach der Anwendung des Flächentarifvertrages öffentlicher Dienst fest. Sie stützen sich dabei unter anderem auf die eindeutige Aussage im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag, der in landeseigenen Tochterunternehmen Tarifverträge fordert, die eine Angleichung an den Flächentarifvertrag TVöD beinhalten.

Im Laufe der Verhandlungen ist die Tarifkommission im Einklang mit ihren Mitgliedern, der Geschäftsführung VSG mehrmals entgegengekommen. So fordert sie inzwischen ein Lohnniveau von 90% des TVöD, aber unter dem Maßstab, dass im zu verhandelnden Tarifvertrag ein eindeutiger Weg zum Erreichen des Flächentarifvertrages festgeschrieben und erkennbar ist. Aber genau das wird von den Geschäftsführungen von Vivantes und VSG vehement abgelehnt, obwohl von deren Arbeitgebern und Anteilseignern, der Berliner Politik, öffentlich gefordert.

Seit dem vorletzten Angebot der Geschäftsführung VSG ist vorsichtig gesagt ein Gesamtvolumen in den Entgelten enthalten, was dem Pendant des TVöD 90% entspricht. Dieses Volumen ist aber in den Entgeltgruppen derart ungerecht verteilt, dass die oberen Entgeltgruppen teilweise über und die unteren Entgeltgruppen unter dem 90%igen TVöD Niveau liegen. Die Tarifkommission lehnte diese Ungleichbehandlung der unteren Entgeltgruppen ab und bat die Geschäftsführung nachzubessern.

Nach dem die Geschäftsführung der VSG der mit ihr verhandelnden Ver.di Tarifkommission das jüngste Angebot vorgelegt hat, wurde schnell klar, dass an diesem Punkt nur die Mitglieder über Annahme und Ablehnung entscheiden können.

In diesem Angebot ist weiterhin nicht die Rede von einer Entwicklung hin zum TVöD. Im Gegenteil, die versprochenen jährlichen Lohnsteigerungen decken nicht einmal die anstehenden Lohnsteigerungen der laufenden TVöD Runde, sie liegen teilweise sogar unter dem Inflationsniveau. Der Lohnunterschied zu den TVöD Mitarbeitern wird sich während der Vertragslaufzeit bis 2021 (!) vergrößern statt – wie von Verdi gefordert – verringern.

Als „besonderes Bonbon“ wurde einer ausgewählten Mitarbeitergruppe im zweiten Vertragsjahr ein Aufstieg in eine höhere Entgeltgruppe versprochen. Dieses „Angebot“ galt nur für Sterilisationsmitarbeiter, für alle anderen Berufsgruppen derselben Entgeltgruppe gilt dieses Angebot der Höhergruppierung nicht.

Wenn man weiß, dass es sich bei den im jetzigen Angebot Privilegierten um die Beschäftigungsgruppe handelt, die mit teilweise geringem Aufwand den Unternehmensablauf empfindlich stören kann und den Kern der Kampfkraft bildet, wird schnell klar, dass es sich hier um einen eindeutigen Versuch der Geschäftsführung handelt die Belegschaft zu spalten.

Ver.di und die Tarifkommission sahen sich außerstande, ohne eindeutiges Votum ihrer Mitglieder darauf zu reagieren. Die Mitglieder wurden in eilends durchgeführten Mitgliederversammlungen an den Steristandorten über das „Für und Wider“ und auf die möglichen Folgen ihrer Entscheidung hingewiesen. Danach wurden sie per Fragebogen um ihre Einschätzung gebeten.

Eine Aussage eines Sterikollegen aus dem Klinikum im Friedrichshain ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Er sagte: „Ich würde persönlich dieses Angebot unheimlich gern annehmen, denn es beinhaltet für mich eine Lohnsteigerung von 200€. Aber ich kann es nicht. Viele der Kollegen, die mit uns gekämpft haben, profitieren nicht davon. Ich lehne das Angebot ab“

Bei der Auswertung der Fragebögen wurde dann deutlich, dass sich 2/3 der abgegebenen Stimmen gegen das Spaltungsangebot des Arbeitgebers entschieden haben.

Was auch bedeutet, dass ein Großteil der Beschäftigten aus den Steribereichen sich gegen das Angebot stellt und sich mit den Beschäftigten anderer Bereiche, wie dem Patientenbegleitservice zum Beispiel, solidarisiert.

Wenn man es genau betrachtet, hat der missglückte Spaltungsversuch der Geschäftsführung VSG den ver.di Mitgliedern in der VSG zu einem enormen ideellen Sieg verholfen. Er ist bedeutender als jede Lohnerhöhung.

Er gibt ihnen das Vertrauen in ihre eigen Kraft und das Selbstbewusstsein zurück, was ihnen seit Jahrzehnten Stück für Stück weggenommen wurde.

Es ist der Geschäftsführung nicht gelungen, die Belegschaft wie gewünscht zu spalten. Die Mitglieder der VSG sind sich bewusst, dass sie nur als solidarische Gemeinschaft, berufsübergreifend und gewerkschaftlich organisiert, erfolgreich sein können.

Was aber auch bedeutet, dass der Arbeitskampf wieder härter und öffentlicher wird.

Die ver.di Mitglieder der Vivantes Service GmbH sind zum Kampf entschlossen.

Mario Kunze,

Ver.di Vertrauensmann bei Vivantes

aus: Soziale Politik & Demokratie Nr.393

 

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