Überversorgung im Gesundheitswesen?

Überversorgung im Gesundheitswesen?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat auf dem Krankenhausgipfel am 21.6. erklärt: „Wir haben Überversorgung vor allem im Ballungsraum“, und um diese radikale Aussage etwas abzudämpfen: „und wir haben auch manche Unterversorgung.“ (!)

Zu viel Pflegepersonal, zu viele Krankenhäuser und Betten?

Alle Beschäftigten im Gesundheitswesen können – und das nicht erst seit den besonderen Belastungen durch das Corona-Virus – ein Lied davon singen, wie kaputtgespart das Gesundheitswesen ist, wie unterfinanziert die Krankenhäuser sind, dass es an Personal fehlt, dass immer mehr Beschäftigte in prekäre Arbeit und Billiglohnjobs ausgegliedert wurden.

Unverantwortlich? Ja, aber es geht um mehr.

Es ist eine bewusste politische Entscheidung der GroKo, umgesetzt von ihrem Gesundheitsminister Spahn und den Landesregierungen, die Schließung und Privatisierung weiterer Krankenhäuser und den Bettenabbau, wie auch schon während der Pandemie, weiter zu fördern.

Es ist eine bewusste Politik, die öffentlichen Krankenhäuser dem mörderischen „marktgerechten Wettbewerb“ auszuliefern und damit in den Ruin zu treiben. Es geht ihnen offensichtlich darum, das Gesundheitswesen als Profitquelle für die großen Krankenhauskonzerne und die Finanzmärkte zu erschließen. 

Konsequent hat Spahn auf dem Ärztetag (im Mai) der Forderung, die Krankenhausfinanzierung im Sinne der Daseinsvorsorge auszurichten, eine klare Absage erteilt.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

in Eurem Kampf für „Mehr Personal—TVöD für Alle“ geht es um die Verteidigung der öffentlichen Krankenhäuser und des gesamten Gesundheitswesens als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Mit der Forderung nach „Mehr Personal“ verbindet sich die Forderung nach Arbeitsbedingungen, die es ermöglichen,

· die kaum noch tragbare Arbeitsbelastung für die Beschäftigten zu reduzieren und

· die Patient*innen wirklich ausreichend versorgen zu können.

Im ver.di-Versorgungsbarometer wurde festgehalten,

· dass 75 Prozent der Beschäftigten „‚nicht‘, ‚sehr eingeschränkt‘ oder nur ‚teilweise‘ ungestört die ihnen zugewiesenen Patient*innen versorgen“ konnten;

· dass 43 Prozent nach OPs die Patient*innen nicht immer engmaschig überwachen konnten;

· dass von 30 Prozent nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen eingehalten werden konnten.

Folge: immer mehr verlassen den Beruf: 83 % der Krankenhausbeschäftigten geben an, nicht bis zur Rente in diesem Beruf zu arbeiten!

Deshalb die Forderung nach „Mehr Personal“. Das aber verlangt

· die sofortige Besetzung und Finanzierung aller nichtbesetzten Stellen! Entlastung heißt für uns nicht weniger Personal durch die Schließung von Stationen!

· die sofortige Einstellung und Finanzierung von zusätzlichem Personal!

Für eine bedarfsgerechte Versorgung sind 100.000 mehr Pflegekräfte notwendig. (ver.di)

Spahn und Co erklären uns, bei Bettenabbau und Krankenhausschließungen brauchen die Krankenhäuser auch weniger Personal! Das ist so richtig wie zynisch: weniger Personal heißt weniger Patientenversorgung! Das bedeutet nichts anderes als eine neue Stufe in der Spirale der Zerstörung der Krankenhäuser!

Mit der Forderung der Beschäftigten nach „TVöD für Alle“ geht es um den gewerkschaftlich garantierten Lohn des Flächentarifvertrages und gesicherte Arbeitsbedingungen für alle:

· Das Krankenhaus ist Teamarbeit, einer ist auf den anderen angewiesen.

· Wir stehen nicht in Konkurrenz zu einander. Darum: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“.

· 23 % der Beschäftigten brauchen Zweit– oder Drittjobs, um über die Runden zu kommen.

Mit ihrem gemeinsamen Kampf für „Mehr Personal und TVöD für Alle“ verteidigen die Beschäftigten von Vivantes & Charité das öffentliche Krankenhaus und eine verantwortungsvolle Gesundheitsversorgung

Das erfordert die ausreichende Finanzierung der Krankenhäuser durch Bund- und Länderregierungen:

· Ein Milliardenprogramm der Bundesregierung für die Rettung der Krankenhäuser;

· Die 100%ige Finanzierung der Investitionen durch den rot-rot-grünen Senat, entsprechend seiner gesetzlichen Pflicht.

Die Beschäftigten von Vivantes und Charité haben ein 100 Tage-Ultimatum für die Erfüllung der Forderungen noch vor den Wahlen gestellt!

Sonst kommt der Streik!

Das Ultimatum läuft am 20. August ab.

Bisher gibt es noch keine Verhandlungen für „Mehr Personal“. Die Verhandlungen für den „TVöD für Alle“ stagnieren. Die Geschäftsführungen versuchen den Kampf zu behindern.

Deshalb unterstützt den Berliner Krankenhaus-Ratschlag am 9.Juli 17:30 Einlass 18:30 bis 20 Uhr

Stadion: Alte Försterei des 1. FC Union, Haupttribüne

Nur mit Anmeldung unter: Für Unterstützer: https://www.redseat.de/unterstuetzer_block/

Für Beschäftigte: https://redseat.de/krankenhausratschlag/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s