Brief der von der Charité-CFM gekündigten Kollegen an die Unterstützer*innen der Kampagne gegen die Kündigungen

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
in einer Zeit, in der uns buchstäblich der Boden unter den Füßen weggerissen wurde, ist es für uns und unseren Kampfeswillen lebensnotwendig, euren zahlreichen Zuspruch, eure Solidarität, euren Beistand bis hin zur eurer finanziellen Unterstützung zu erhalten.
Wir sind nach wie vor überwältigt, welche Dimension unser Kampf für den TVöD bereits angenommen hat. Die seit Jahren unseren Tarifkampf begleitenden gewerkschaftsfeindlichen Kampfmaßnahmen unseres Ar-beitgebers Charité CFM Facility Management GmbH, wie zum Beispiel die permanenten Einschüchterung meist migrantischer Kolleginnen, das gezielte Versetzen einzelner „renitenter“ Kolleginnen, die unzähligen Versuche engagierte Kolleginnen aus dem Unternehmen rauszukaufen, gipfeln nun in einen Kampf auf höchster Ebene.

Denn in unserem konkreten Fall, geht es buchstäblich um unsere bloße Existenz als Mitarbeiter der Charité CFM Facility Management GmbH. Jahre lang haben wir uns verdient gemacht für den Kampf gegen Rassis-mus, Frauenfeindlichkeit und Religionsfeindlichkeit, indem wir praktisch den Kampf gegen all diese Miss-stände organisiert und auch mit unserer Gewerkschaft ver.di diesen Kampf geführt haben. Es waren nicht nur leere Worthülsen, denen wir nachgeeifert haben, sondern vielmehr haben wir die Theorie in die Praxis umgesetzt. Denn wer wirklich gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Religionsfeindlichkeit ist, kann ein Ge-schäftsmodell der sich gerade darauf stützenden prekären Beschäftigungsverhältnisse nicht akzeptieren und dessen Erhalt unterstützen.
Das uns diese Missstände nun direkt als Vorwürfe zu einzelnen Situationen unterstellt wurden, hat uns nicht nur zu Beginn dieses Angriffs hart getroffen und schockiert, sondern irritiert und verletzt uns bis heute zu-tiefst. Jeder Kollege, jede Kollegin, die uns persönlich kennt, kann es gar nicht glauben, was uns vorgeworfen wird, viel eher sind sie selbst vom gewerkschaftsfeindlichen Charakter dieser Angriffe überzeugt.
Jedoch ist das nur die eine Seite der Medaille, denn ganz nebenbei geht es nun ganz konkret um unsere eigene Existenz. Seit dem Rauswurf sitzen wir ohne Gehalt und ohne Unterstützung eines Amtes oder ei-ner Behörde in finanzieller Hinsicht im leeren Raum. Denn diese an den Haaren herbeigezogenen Gründe lösen eine sofortige Sperre beim Arbeitslosengeld für die nächsten drei Monate aus. Das bedeutet ganz kon-kret, dass man sich gut überlegen muss, ob man diesen Kampf überhaupt finanziell überlebt oder ob man sich nicht doch sofort einen neuen Job sucht, um irgendwie seine Miete, seinen Strom, einfach gesagt seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, und dabei ist an die Familie zu Weihnachten noch nicht einmal zu denken. Es ist daher nicht mehr nur ein rein gewerkschaftlicher Kampf (Tarifkampf), ein Kampf um Gerech-tigkeit, sondern vielmehr ein Kampf um unser Überleben und soziale Existenz.
Heute möchten wir uns bei euch allen herzlich für eure auch finanzielle Unterstützung und vor allem eure zahlreiche Solidarität und eure Anteilnahme an unserem Schicksal bedanken. Ihr zeigt uns, dass wir nicht allein in diesem Kampf sind. Gleichzeitig gebt ihr uns aber auch die Kraft und die Möglichkeiten diesen Kampf weiter zu überleben. Frei nach dem Motto „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat bereits verloren“.
Daniel Turek, Christian Haberland, Berlin 1.12.2020

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